Asyl in Mönchengladbach
Informieren. Vernetzen. Helfen.

Elisabeth Rohn, Sprachlehrerin für Geflüchtete im SKM Rheydt

Frau Rohn unterrichtet Deutsch im SKM Rheydt und erzählt von ihrem Einblick in das Sprachenlernen.

rohn1 Würden Sie kurz etwas über Ihren Werdegang erzählen? Was haben Sie für eine berufliche Ausbildung? Wo haben Sie bisher gearbeitet und wo arbeiten Sie zurzeit?

Ich habe Abitur gemacht, in Düsseldorf Lehramt studiert und dann als Realschullehrerin gearbeitet und bin inzwischen pensioniert. Momentan arbeite ich ehrenamtlich für den SKM als Deutschlehrerin für Geflüchtete.

Wie kamen Sie auf die Idee als ehrenamtliche Sprachlehrerin für Geflüchtete zu arbeiten und seit wann sind Sie tätig?

Nachdem ich aufgehört habe zu arbeiten, habe ich zuerst im Frauenhaus ehrenamtlich als Deutschlehrerin gearbeitet. Danach habe ich eine Schulung beim SKM zur Kulturdolmetscherin gemacht und arbeite seitdem hier beim SKM als Deutschlehrerin für Geflüchtete.

Unterrichten Sie nur Erwachsene oder auch Kinder?

In meinem derzeitigen Kurs unterrichte ich nur Erwachsene. Darüber hinaus betreue ich auch noch einen jungen Syrer aus der 11. Klasse, der gerne Abitur machen möchte.

Denken Sie, dass es ein Vorteil ist, mit Ihren Schülern nur Deutsch zu sprechen und eben nicht die Muttersprache Ihrer Schüler?

Ich hatte zuvor einen Einführungskurs, in dem manche Schüler Englisch sprachen und diese konnten dann die Inhalte auf Arabisch übersetzen. Das kann eine Hilfe sein. Ich spreche Englisch und Französisch, was meinen Job erleichtert, da manchmal einige Schüler ebenfalls Englisch oder Französisch sprechen.

Aus welchen Herkunftsländern stammen ihre Schüler? Gibt es bestimmte Dinge, die Schülern aus bestimmten Herkunftsländern besonders schwerfallen (wie Aussprache, Satzbildung oder allgemeine Grammatik)? 

Die Schüler momentan stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, eine Schülerin zum Beispiel aus Somalia und ein paar aus anderen afrikanischen Ländern. In Bezug auf Aussprache gibt es sicher Unterschiede. Den einen Schülern fällt das Eine leichter und den anderen fällt das Andere leichter zu artikulieren. Ich denke, bei Satzbildung und Grammatik hängt es eher vom Bildungsstatus des Schülers ab, wie schwer oder wie leicht es ihm fällt. Jemand, der in seinem Heimatland noch nie in der Schule war, hat natürlich große Probleme mit Satzbau und Grammatik. Und jemand, der schon eine Fremdsprache spricht, hat es somit leichter. Es ist schwer, eine verallgemeinernde Antwort zu geben.

Wie lernen die Schüler am besten? Wie haben Sie herausgefunden, welche Methoden am effektivsten sind?  

Das ist natürlich sehr unterschiedlich. Da mein derzeitiger Kurs ein Alphabetisierungskurs ist, haben wir viel geschrieben und gelesen. Wichtig ist es zum Beispiel, viele Dinge an die Tafel zu schreiben.

rohn2Wie gehen Sie damit um, dass Ihre Schüler auf unterschiedlichen Sprachniveaus sind?

Es ist insofern schwierig, da die Schüler immer wieder wechseln. Es kommen nicht immer die gleichen Schüler. Ein anderes Problem ist, dass die Schüler in einem Kurs nicht immer regelmäßig kommen; also, es gibt bestimmte Schüler die immer kommen, aber manche kommen dann mal ein oder zwei Wochen nicht. Von daher ist es schwierig, auf ein gemeinsames Niveau zu kommen. Es kommt hinzu, dass viele Schüler es nicht gewohnt sind, selbstständig zu arbeiten. Was man normal machen würde, wäre dann, unterschiedliche Arbeitsblätter zu verteilen, aber es ist für manche Schüler sehr schwer, alleine mit einem Arbeitsblatt zu arbeiten. Daher ist es manchmal schwierig, auf die unterschiedlichen Niveaus Rücksicht zu nehmen.

Haben Sie nach Ihren Lehrerfahrungen jetzt ein paar Geheimtipps oder gibt es schnellere Wege, wie man die deutsche Sprache schneller lernen kann?

Es kommt auf die Gruppe an und auf die Vorerfahrung. Schneller lernen können sie, wenn sie Kontakt mit Deutschen haben. Und das ist ja mit eines der Probleme, da das die meisten eben nicht haben.

Können Sie pauschalisiert sagen, wie lange die meisten Neuankömmlingen brauchen, um die Sprache so weit zu lernen, dass Sie eine gute Arbeitsstelle finden oder studieren können?

Also, ich sag jetzt mal aus meinen Erfahrungen insgesamt, um eine gute Arbeitsstelle zu finden, brauchen sie bestimmt 1,5 bis 2 Jahre und zum Studieren werden es bestimmt 3 Jahre. Ich betreue, wie schon gesagt, einen syrischen Flüchtling, der jetzt in der 11. Klasse ist und der wohl in der 13. Klasse sprachlich so weit sein wird, dass er studieren kann.

Was für einen Stellenwert haben Ihrer Meinung nach Sprachkurse für den ganzen Integrationsverlauf?

Sprachkurse sind auf jeden Fall wichtig. Sie sind die Basis, um sich integrieren zu können un in Kontakt mit Deutschen zu kommen.

Was motiviert Sie, diese knifflige Arbeit zu leisten? Sie werden nicht bezahlt für diese Arbeit, obwohl Lehrer gebraucht sind und dafür auch belohnt werden. Also, was motiviert Sie umsonst zu unterrichten?

Umsonst zu unterrichten, empfinde ich als sehr angenehm. Es macht viel Freude und man bekommt viel positives Feedback. Die Schüler sind alle nett und freundlich und man muss sich nicht mit diesen vielen verwaltungstechnischen Sachen auseinandersetzen. Man ist sozusagen sein eigener Herr. Ich kann den Sprachkurs nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten. Ich sehe im Unterricht, ob das eine gut oder schlecht ankommt, und demnach variiere ich.

Machen Sie weiter?

Ja, auf jeden Fall. Solange es mir Spaß macht, mache ich weiter.

 

Wenn Sie von Frau Rohn’s ehrenamtlicher Wirkung auf Menschen inspiriert sind zu helfen, können Sie gerne Kontakt mit dem SKM-Rheydt aufnehmen:

Maria Nickel, Dipl.-Sozialpädagogin (FH)
Telefon: 02166/130 97 43
E-Mail: m.nickel@skm-ry.de

 

 

 

 

 

 

 

Asyl in Mönchengladbach ist ein Projekt des SKM Rheydt e.V. in Zusammenarbeit mit Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürgern. Gemeinsam möchten wir Mönchengladbach zu einem besseren Ort für Flüchtlinge machen. © 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Impressum     Datenschutzerklärung     Kontakt

Simple Share Buttons