Asyl in Mönchengladbach
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Integration Point Mönchengladbach: „Unser Fokus ist das Ankommen“

Logo_Integration_PointAuf Grund der Flüchtlingssituation in Deutschland hat die Bundesagentur für Arbeit das System Integration Point entwickelt, um Neuankommenden frühzeitig in die Arbeits- und Berufswelt zu begleiten. Insbesondere für Menschen, die aus einem Land mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit kommen geschah diese Neueinrichtung. Integration Point Mönchengladbach würde im Januar 2016 eröffnet.

Wir haben Bärbel Jungbluth, Teamleiterin des Integration Point Mönchengladbach, getroffen und in ihrem Büro interviewt.  Wir fragten nach, wie die Arbeit des Integration Points das Ankommen von Asylsuchenden in Mönchengladbach unterstützt. Das Interview wurde für unsere Leser zusammengefasst und ist als Video anzuschauen.


 

Bärbel Jungbluth, Teamleiterin des Integration Point Mönchengladbach im Interview mit der Redaktion von Asyl in Mönchengladbach:

 

Das Ziel: Einbeziehung eines Geflüchteten in die Arbeitswelt…

Frau Jungbluth, die einst für sich entschied, dass sie Mönchengladbach nicht verlassen möchte, weil sie in MG geboren ist und sich wohl fühlt, versucht daher umso mehr denjenigen zu helfen, die sehr gerne in ihrer Heimatstadt geblieben wären aber wegen des Kriegs flüchten mussten.

Schnell wurde uns klar: Das Ziel ist die Einbeziehung eines Geflüchteten in die Arbeitswelt. Das erfolgt in Kooperation mit dem Jobcenter. Die Geflüchteten werden von Anfang an betreut; wenn Geflüchtete noch im laufenden Verfahren sind, fängt das Team von Frau Jungbluth an, mit Ihnen zu arbeiten, indem sie sie in Sprachförderkurse bringen und Ihnen eine berufliche Orientierung geben. Wenn Sie dann die Berechtigungen und Jobcenter-Hilfen bekommen, geht es nahtlos über von den Beratungsleistungen der Agentur für Arbeit zum Jobcenter.

Im Integration Point gibt es somit zwei Bereiche: Leistungsrecht und Arbeitsvermittlung.

Frau Jungbluth erzählt uns, die meisten in Mönchengladbach Betreuten seien sehr jung (über 50% unter 30 Jahre). Für junge Leute unter 25 Jahren ist das Jugend-Jobcenter zuständig. Ab 25 übernimmt dann die normale Arbeitsvermittlung. Aktuell hilft der Integration Point als allererste Anlaufstelle für das Ankommen in dieser Stadt ca. 250 Personen.  Zwei Arbeitsvermittler in ihrem Team kümmern sich jeweils um lediglich 125 Personen (normale Arbeitsvermittler betreuen ca. 300-400 Personen), weil die Gespräche wegen der Sprachbarrieren länger dauern und zu jedem Arbeitssuchenden ein komplett neuer Plan überlegt und der individuelle Prozess von A bis Z begleitet werden muss.

 

Ohne das Ehrenamt würde der Laden hier nicht funktionieren…

In Anlehnung an unsere Beiträge rund um das Thema „Ehrenamt in Mönchengladbach“ wurde auch Frau Jungbluth nicht von der Frage verschont: Welche Rolle spielt das Ehrenamt beim Integration Point?

„Ohne das Ehrenamt würde „der Laden“ hier nicht funktionieren, weil wir sprachlich nicht weiterkommen. Durch das Ehrenamt haben wir dann Leute, die mitkommen, die die Sprache sprechen, die mit übersetzen können. Das ist das eine unglaubliche Hilfe.“

 

Die Sprache hemmt.  Geflüchtete brauchen circa drei Jahre, um in Arbeit zu kommen

Drei Jahre sollen die Menschen insgesamt betreut werden, da die Statistik sagt, dass man wegen des Hemmfaktors „Sprache“ ca. drei Jahre brauche, um in Arbeit zu gehen, wo man nämlich Arbeitsanweisungen verstehen, mit den Kollegen agieren sowie Aufträge abarbeiten muss. Die Zahl „drei“ spielt auch an anderer Stelle eine erhebliche Rolle; drei Monate müsse man einer Kommune zugewiesen und als Flüchtling registriert sein, bevor man arbeiten könne. Natürlich können die Betroffenen auch auf die Beratung der Agentur für Arbeit hoffen. Flüchtlinge mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit  können seit Januar schon einen Integrationskurs beantragen – auch schon während des Verfahrens.  Bei der Vermittlung in den Arbeitsmarkt gibt es spezielle Maßnahmen für Flüchtlinge, aber diese können auch von allen anderen Arbeitsvermittlern gebucht werden.

 

Das Wichtigste, um anzukommen, ist: eine Wohnung…

Überraschend fällt die Antwort auf unsere wichtigste Frage aus: „Was braucht man, um richtig anzukommen?“ Man hätte erwartet, dass „Sprache“ das Primäre ist, das zum erfolgreichen Ankommen verhilft. Um anzukommen, aber, sei es gemäß Erfahrung am wichtigsten, dass die Geflüchteten eine Wohnung finden. Die Zauberformel, mit der man eine Perspektive gewinnt, ist somit also: So die Frau Jungbluth,

„Das ist jetzt mein zu Hause. Hier kann ich jetzt bleiben. Und wenn das geregelt ist, kann ich weiterschauen und einen Plan machen…[die Sprache lernen, usw.]….“

 

Die Bilanz – die Menschen sind motiviert und wollen ankommen…

Bislang zieht die Frau Jungbluth, die selbst in Mönchengladbach aufgewachsen ist, eine positive Bilanz:

„Wir können sagen, dass alle Menschen, die hierhin kommen, sehr motiviert sind, und sie wollen auch ankommen. […] Ich kann nur sagen, dass wir hier viele Menschen erleben, die keine Sozialschmarotzer sind, sondern das sind Menschen, die haben ganz normal gelebt, die haben ganz normal einen Beruf gehabt, eine Wohnung gehabt, die Kinder sind zur Schule gegangen, die wollten einfach nur in Ruhe leben und nicht von einem System abhängig sein. Und sie sind es jetzt. Aber das ist die Motivation, die wir sehen. Die wollen es nicht, die wollen da raus. […] Weil die sofort starten wollen. […] Leben möchten. Eigenverantwortlich leben möchten“.

 

 

 

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