Asyl in Mönchengladbach
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Erfahrungsbericht: Ehrenamt – Stefan Gerats im Gespräch

„Integration ohne Ehrenamt gibt es nicht!“

Die ehrenamtliche Mitarbeit von Tausenden von deutschen Bürgern spielt heute mehr als je zuvor eine Hauptrolle in der erfolgreichen Integration von Flüchtlingen in Deutschland. In Mönchengladbach gibt es nach wie vor viele Menschen, die ihre Freizeit für Flüchtlinge bereitstellen.

In diesem Sinne hat die Redaktion von „Asyl in Mönchengladbach“ mit Stefan Gerats aus Mönchengladbach-Rheydt über seine Erfahrung als ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe gesprochen. Seine Inspiration zu helfen – inspiriert uns, seinen Beitrag zu veröffentlichen. Vielleicht entsteht durch das Mitteilen seiner Erfahrung eine neue Welle von Mönchengladbachern, die ebenfalls ihre Zeit Flüchtlingen widmen möchten. Stefans Ansporn zu helfen entwickelte sich, nachdem er im Mai 2015 beschloss ein Sabbatjahr zu starten. Während er nach einer sinnvollen Tätigkeit suchte, begann gerade die Flüchtlingswelle. Er lauschte dem Ruf nach Hilfe in der Bevölkerung und dem Medienecho der Mönchengladbacher Flüchtlingshilfe, sodass er anschließend wusste, wo er am Besten ansetzen sollte. Wir wollten gerne wissen, was er anderen rät, die sich als Einsteiger in der Flüchtlingshilfe betätigen möchten.

Ich kann jedem, der sich engagieren will, nur raten, sich einer Gruppe anzuschließen, die schon tätig ist.“

Durch das Café Welcome im SKM in Rheydt und beim ersten Runden Tisch traf Stefan eine Gruppe von Flüchtlingshelfern in Rheydt, die Flüchtlinge aus Eritrea und Sudan betreut. Dort stieg er ein und wurde stetig von der Gruppe unterstützt.

„Ohne die Gruppe hätte es nicht geklappt“, meint er.

„Learning by doing“ mache keinen Sinn, weil das Risiko, dass sensible Dinge falsch angegangen werden, zu groß sei.

Um Fehler zu vermeiden, hilft es, von Anfang an aktiv mit erfahrenen Menschen zu arbeiten. Dabei hat Stefan Gerats uns bewusst gemacht, wie wichtig es für ihn und seine Teamkollegen ist, in einer Gruppe zu arbeiten. Diese Gruppe kümmert sich um Menschen im Flüchtlingsheim auf der Bruckner Allee in Rheydt. Es war schon etabliert, gut organisiert und sehr engagiert, bevor er dort ankam. Die dort aktiven ehrenamtlich Tätigen halfen ihm, wichtige Fragen zu beantworten und dadurch Energie und Zeit zu sparen sowie unnötige Fehler zu vermeiden. Über „WhatsApp“ kommuniziert das Helferteam miteinander – stellt Fragen, sucht nach Antworten, organisiert Termine und plant Treffen, Ausflüge sowie Veranstaltungen.

Es ist eine langwierige Arbeit, aber es freut ihn, Menschen unterstützen zu können. Er strahlt, wenn er davon spricht, wie dankbar die Menschen für seine Hilfe sind. Er folgt der Regel, nie nach den persönlichen Geschichten der Betreuten zu fragen, bis diese selber etwas davon erzählen.

„Was die Menschen erlebten, ist für uns hier kaum vorstellbar“, sagt Stefan schließlich.

In der Gruppe gibt es eine gerechte Aufteilung von Aufgaben mit flexibler Zeiteinteilung. So entwickelt jeder nach einiger Zeit eine besondere Fähigkeit. Stefan entdeckte sein Talent in der Suche nach Wohnungen, die sehr knapp in Mönchengladbach sind. Er nimmt diese Aufgabe sehr ernst, denn damit unterstützt er seine „Schützlinge“, sich bei den ersten Schritten in einem normalen Leben hier in Mönchengladbach zurechtzufinden – mit anderen Worten: ankommen zu können. Zu den weiteren konkreten Aktivitäten zählen die Begleitung bei Amtsbesuchen, Wohnungsbesichtigungen, Einkäufen, Ausflügen sowie die Suche nach Sprachkursen und Vieles mehr. Die Arbeit ist vielfältig, manchmal zeitaufwendig aber erfüllend.

Am Anfang der Flüchtlingskrise boomte im ganzen Land die Bereitschaft, sowohl Freizeit als auch persönliche Wertsachen zu opfern, um Menschen in Not zu helfen. In dieser ersten und intensivsten Zeit dieser Krise war die deutsche Bevölkerung und Politik überwältigt vom täglichen Zustrom flüchtender Menschen, aber sobald die erste große Welle vorüberging, wurde der Ruf nach ehrenamtlichen Helfern plötzlich leiser. Die Unterstützung sei nicht mehr Überlebens wichtig, dachte man – so, als ob das Problem schon gelöst worden sei. Doch leider täuschte diese Hoffnung. Nach wie vor herrscht allein in Mönchengladbach jeden Tag für mehrere Tausend Flüchtlinge eine Existenzkrise ohne klares Ende in Sicht. Die Zeit des Helfens ist also längst nicht vorbei, sondern hat gerade erst angefangen.

Daher nochmal der Anlass zu diesem Gespräch: vielleicht entsteht durch das Mitteilen seiner Erfahrung eine neue Welle von Mönchengladbachern, die ebenfalls ihre Zeit Flüchtlingen widmen möchten.

Wenn Sie sich für eine ehrenamtliche Mitwirkung interessieren, können Sie hier Frau Maria Nickel kontaktieren.

Asyl in Mönchengladbach ist ein Projekt des SKM Rheydt e.V. in Zusammenarbeit mit Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürgern. Gemeinsam möchten wir Mönchengladbach zu einem besseren Ort für Flüchtlinge machen. © 2015. Alle Rechte vorbehalten.

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