Asyl in Mönchengladbach
Informieren. Vernetzen. Helfen.

Der „Punkt 0+“: Interview mit einem syrischem Bodybuilding-Champion

master-bahnIn vielen Gesprächen mit Flüchtlingen hört man heraus, dass viele Neuankömmlinge glauben, ihr Leben beginne bei Null. Also beim „Punkt 0″ neu beginnen müssen. Entsteht vielleicht doch mehr als ein Nullpunkt, wenn Flüchtlinge in Mönchengladbach ankommen? „Asyl in Mönchengladbach“ stellt den 47-jährigen Hamidi Al Muslat aus Hasaka in Syrien vor.

Viele Asylbewerber kehren wieder dorthin zurück, wo sie über dem „Punkt 0“ lebten, als Ingenieure, Sprachlehrer, Chefköche oder Anwälte. Deswegen stellt sich die Frage: Was waren und hatten all diese Personen in ihrer Gesellschaft erreicht, das ihnen nun das Gefühl gibt, sie fingen wieder bei Null an? Oder steht eine neue Chance, also der „Punkt 0+“, noch hier bevor?

AIM: Hallo, Hamidi, wie geht es dir?hamidi1

Hamidi: Danke, gut. Es geht mir gut.

AIM: Hamidi, du lebst in Mönchengladbach. Wie lange bist du schon in Deutschland und was waren deine Erwartungen, bevor du hier ankamst?

Hamidi: Ich bin seit Oktober 2015 in Deutschland. Deutschland hat den Hilfsbedürftigen des Krieges als erstes die Hand ausgestreckt und die meiste Hilfe geleistet. Das war ein Grund für mich, nach Deutschland zu kommen. Ich habe im Zusammenhang mit Deutschland nur sehr Gutes gehört – ein sehr fortschrittliches und kultiviertes Land.

AIM: Hast du das Gefühl, hier angekommen zu sein?

Hamidi: Wenn ich 100% hier ankommen möchte, muss ich die Sprache sprechen. Ich muss die Sprache lernen. Dann kann ich das Kultivierte ganz verstehen. Doch ich hatte schon vor dem Krieg mit Büchern über die deutsche Geschichte eine gewisse Reise hierhin begonnen.

AIM: Was hast du „in deinem vorigen Leben“ eigentlich beruflich gemacht, bevor du nach Deutschland gekommen bist?

Hamidi: Ich habe 20 Jahre als Trainer, Coach und Manager einer Fitness-Company in Katar gearbeitet und zwei Jahre als Coach im Libanon. Zudem habe ich an Wettkämpfen in der Ukraine, in Tschechien, Russland und im Irak teilgenommen. Ich war Arabischer Bodybuilding Champion des Nahen Ostens. In Katar habe ich zudem die Fußball- und Basketball-Nationalspieler bei ihrem Krafttraining betreut.

hamidi23AIM: Interessant, du kennst Europa also schon?

Hamidi: Ja, klar.

AIM: In den Jobs, die du erwähnt hast, hattest du leitende Positionen mit viel Verantwortung. Kommt es dir manchmal so vor, als müsstest du wieder bei Null anfangen?

 Hamidi: Immer, wenn man in ein neues Land reist, gibt es einen „Punkt 0“.

 AIM: Gibt es nichts hier, was es dir erschwert, an dem vorigen Punkt deines Lebens (vor Deutschland) weiterzumachen?

Hamidi: Das Leben hier ist sehr einfach, und weißt du, warum? Weil es hier Ordnung gibt und einen demokratischen funktionierenden Staat.

AIM: Du bist zuversichtlich. Dann frage ich dich: Wie glaubst du, kannst du mit deinem Können den „Punkt 0+“ erreichen und wie würde das in deinem Fall aussehen?

Hamidi: Ich dachte zunächst, dass ich bei Null anfangen muss. Am Anfang hat es mich noch beschäftigt. Aber irgendwann dachte ich, dass ich mit meiner Erfahrung im Bereich Fitness-Center-Eröffnungen sowie allgemeinem Trainingsmanagement u.a. als Personal Trainer oder Coach von Profisportmannschaften sehr nützlich sein kann. So etwas kann ich mir für die Zukunft gut vorstellen. Wenn ich das alles damals geschafft habe, schaffe ich das auch heute nochmal. Das Alter ist nur eine Zahl.

Danke an alle deutschen Bürger und an Angela Merkel. Sie ist großartig. Ich liebe Angela Merkel. Und ganz besonders an meinen ersten Lehrer in Deutschland: Ahmet Sannuroglu.

hamidi24

Asyl in Mönchengladbach ist ein Projekt des SKM Rheydt e.V. in Zusammenarbeit mit Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürgern. Gemeinsam möchten wir Mönchengladbach zu einem besseren Ort für Flüchtlinge machen. © 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Impressum     Datenschutzerklärung     Kontakt

Simple Share Buttons